Reisebericht
Vereinsfahrt 2001 nach Ägypten 2 |
Der etwas andere Reisebericht Rotes Meer, Südtour, Hurghada – Port Sudan Die Vorgeschichte Unter bis heute föllig, oh Verzeihung, völlich ungeklärten Umständen gelangten diese äußerst sensiblen Informationen aber in die Hände weiterer verstrahlter Taucher, die sich rücksichtslos der bereits geleisteten Vorarbeit bedienten und sich mehr oder weniger ungefragt der Reise anschlossen. Die handelnden Personen im Einzelnen: Bei nüchterner, realistischer Einschätzung der Team-Zusammensetzung hätte bereits in dieser frühen Phase jeder weitere Planungsversuch unterbleiben müssen, so jedoch nahmen die Dinge nach umfangreichen Vorbereitungen ihren unvermeidlichen Lauf. Die Chronologie der Ereignisse Nach unendlich vielen Telefonaten zwischen den Team-Mitgliedern – die Deutsche Telekom ernennt Christoph kurzfristig zum Kunden des Monats, Ron Sommer erscheint noch am selben Abend persönlich und überreicht neben der Fernmelderechnung, die auf einem Gabelstapler angeliefert wird, auch einen Gutschein über eine Frei-SMS – wird einstimmig der Beschluß gefaßt, den Flughafen Düsseldorf am Morgen des nächsten Tages in der berühmt-berüchtigten Herrgottsfrühe aufzusuchen. Gesagt getan... Samstag, 06. Oktober 2001 Bei Eintreffen am Airport Düsseldorf nimmt die Gruppe etwas erstaunt zur Kenntnis, daß der Flug selbstverständlich planmäßig nach Ägypten starten wird. Komisch, der stets etwas nervöse Ralli hat offensichtlich mal wieder alles falsch verstanden. Die nächste zu überspringende Hürde besteht dann im Einchecken am Counter der Egypt Air. Das echt lustige Verfahren funktioniert so: - auf Anzeigetafeln von 4 Countern wird der Egypt Air-Flug 3471 nach Hurghada angezeigt Das ägyptische Staatsfernsehen demonstriert währenddessen in einer Live-Schaltung vom Flughafen Düsseldorf die Überlegenheit der zutiefst gelassenen arabischen Grundhaltung im Vergleich zur an Massenhysterie grenzenden Verhaltensweise sogenannter zivilisierter Mitteleuropäer. Knapp 5 Millionen Ägypter lachen sich schlapp... Irgendwie gelingt es dann aber doch, das Gepäck trotz leichten Übergewichtes (Helga ca. 67,8 Kg) aufzugeben und die Bordtickets zu bekommen. Nachdem das Team bedingt durch die deutlich verschärften Sicherheitskontrollen am Flughafen etwa der Hälfte seiner Ausrüstung verlustig geht (mehrere Dutzend Taschenmesser, Schraubenschlüssel, Multifunktionswerkzeuge, Tauchlampen usw, auch Helga´s Beauty-Case erwischt es übel und wird bis fast auf den Grund leergeräumt) sowie stoßweise Eigentums-Aufgabe-Erklärungen (die Dinger heißen echt so) unterzeichnet sind, gelangt die Gruppe endlich in den inneren Bereich des Airport. Christoph, der niemals unter Flugangst leidet, beginnt beim Anblick des Jumbos eine stereotype, gebetsmühlenartig vorgetragene Diskussion mit sich selbst: Merkwürdigerweise fliegen aber diese 400 Sessel doch und landen nach etwa 4 ½ Stunden in Hurghada, Ägypten. Nach der allseits bekannten Vorgehensweise am Flughafen - Bakschisch für alle - betritt das Team endlich ägyptischen Boden und wird durch eine Reiseleitung in Empfang genommen. Der Transfer in das Hotel, das bis zum Eintreffen der letzten Teilnehmer der Safari als Zwischen-station benutzt wird, verläuft abgesehen von einem halben Dutzend Beinahe-Kollisionen, einem Fast-Umsturz des Fahrzeugs und einigen unbedeutenden Blechschäden unauffällig. Der Verlust der Frontstoßstange wird in diesem Zusammenhang vom Fahrer als ökologisch wertvoller Beitrag zur Gewichtsoptimierung des Fahrzeugs gewertet. Lediglich Christoph, der schon bei der Nennung des Reisezieles Ägypten Durchfall bekommt, erscheinen die 20 Minuten Fahrt zum Hotel endlos (Allah ist groß und mächtig, aber das Antinal® ist im Tauchrucksack auf dem Fahrzeugdach!!!). Im Hotel wird die Wartezeit bis zum Eintreffen der letzten Teilnehmer durch Verkostung landestypischer Spezialitäten verkürzt. Die Gruppe entscheidet, das bißchen was man in der Kürze der Zeit essen könnte, zu trinken. Die Wahl fällt auf lokal-beer, das allgemein als gut verträglich beschrieben wird. Nur Christoph mit seinem Durchfall... Ralf hat inzwischen den hoteleigenen Swimmingpool einer eingehenden Prüfung unterzogen; ein 60 mtr. Tauchgang scheint ausgeschlossen, so daß Ralf spontan die Idee verwirft, das Equipment einem ersten Härtetest zu unterziehen. Nachdem auch die letzten Teilnehmer eingetroffen sind, wird das Tauchgerödel erneut auf einen Kleinlaster verladen und die nächtliche, nach Auskunft des Fahrers etwa 1 -stündige Fahrt nach El Quisier beginnt. 4 Stunden später betritt in El Quisier das Team die „Lady Samara“, eine 32 Meter lange Stahljacht, die auf Bedürfnisse von Tauchern gut zugeschnitten ist und über eine prima Crew verfügt. Auch die sanitären Einrichtungen entsprechen dem bekannten Standard, wie Christoph unverzüglich zu berichten weiß. Während Helga stichprobenartig die Bordverpflegung untersucht, hier lokal-beer, nimmt Franz „sein“ Schiff in Besitz. Ralf untersucht derweil das Hafenbecken. Die deprimierende Erkenntnis: auch hier kein 60 mtr. Tauchgang möglich. Ralf, dessen Stickstoffanteil im Blut inzwischen auf bedrohliche Normalwerte abgesunken ist, zeigt erste Anzeichen von fehlendem Tiefenrausch: strukturierte Gedankengänge, klare, deutliche Aussprache, vernünftige Handlungen... Unruhig zieht sich die Gruppe zum Nestbau in ihr großzügig geschnittenes Nachtquartier an Deck des Bootes zurück. Sonntag, 07. Oktober 2001 Beim ersten briefing an Bord zum Tauchen allgemein entgleiten Ralf und Franz allmählich die Gesichtszüge: die absolute, ultimativ definierte Tiefengrenze lautet 30 mtr. Nach eingehender Diskussion entscheiden die beiden, folgende Interpretation vorzunehmen: Exemplarisch für den weiteren Verlauf der Reise sei hier ein typischer Tagesablauf skizziert: Insgesamt kann man sagen, daß sich das Bordleben äußerst abwechselungsreich und interessant gestaltet. Speziell Christoph, wenn er denn nicht gerade auf dem Klo sitzt, stellt sich durch seine muntere, stets aktive Grundeinstellung als belebendes Moment an Bord dar. Drei Tages- und ein Nachttauchgang am ersten Tag (Shaab Mangrove, Ras Trombi) hinterlassen sehr schöne Eindrücke und machen Appetit auf mehr. Montag, 08. Oktober 2001 Etwas störend für den Hammerhai ist lediglich das von unten aufsteigende ständige Warngepiepse von Ralf und Franz Computer, die ganz, ganz knapp unterhalb der absoluten, ultimativ definierten Tiefengrenze operieren und schon nach etwas weniger als 2 ½ Stunden Dekopause die Oberfläche wieder erreichen. Ein weiterer Tauchgang am Elphinstone und zwei Tauchgänge am Shaab Marsa Alam komplettieren das Tagesprogramm. Ach übrigens, wie aus wohlunterrichteten Kreisen verlautbart, gibt es ihn doch, den „Sarkophag“! Es muß sich hier aber wohl um reines Hörensagen handeln. Dienstag, 09. Oktober 2001 So werden denn selbstverständlich auch alle Tauchgänge nach den uns allen so gut bekannten grundlegenden sporttaucherischen Prinzipien wie Buddy-System und Einhaltung der Tauchgangsplanung durchgeführt. Zu kleineren, unbedeutenden Unstimmigkeiten kommt es lediglich dann, wenn sich die Gruppe mal wieder unabgesprochen innerhalb eines Umdrehzyklusses von Franz (knapp 3 sec.) auf etwas weniger als einen Quadratkilometer in alle Himmelsrichtungen aufgeteilt hat. Speziell bei Nachttauchgängen an der Grenze zum off und bei Ausfall von drei der vier mitgeführten Tauchlampen führt das beschriebene Verfahren zu nicht für möglich gehaltenen (Heiterkeits?)ausbrüchen beim Boß. Im Anschluß an solche Tauchgänge kann man Franz dann an einsamen Plätzen an Bord finden, wo er, in sich zusammengesunken vor sich hin lamentiert: „Eigentlich bin ich inzwischen doch viel zu alt für so ´ne Scheiße, warum tu´ ich mir das nur an? Warum, warum, warum nur?“ Franz mit seiner Nervosität aber auch immer... Die Tauchgänge dieses Tages finden übrigens alle an den verschiedenen Spots von Shaab Samadai statt. Ein nettes Plätzchen. Mittwoch, 10. Oktober 2001 So wird der erste Tauchgang des Tages dann am Elphinstone gemacht, die weiteren am Shaab Abu Dabbab und Shaab Shouna. Aufgrund der beispielhaften Vorbildfunktion der Gruppe schließt sich ein etwas einsamer Taucher aus Ösi-Land an, Ernst Erwin Egon. EEE zeichnet sich bei den Tauchgängen vor allem dadurch aus, daß er immer genau da ist, wo er nicht sein soll. Erwartet man EEE unmittelbar links neben sich, befindet er sich exakt 12 mtr. rechts unterhalb; war EEE eben noch 10 mtr. unterhalb seines Buddys, so ist er nur Sekunden später völlig verschwunden. Donnerstag, 11 Oktober 2001 Als allerdings nur wenig später nach kopfwärts orientiertem Abstieg die 50 mtr.-Marke passiert wird und von einem touch-down noch nicht annähernd die Rede sein kann, kommt der Berichterstatter ins Grübeln. Dieser Prozeß wird durch den sprunghaft ansteigenden Stickstoffgehalt im Blut mit mächtiger Anflutung desselben nicht eben vorteilhaft unterstützt. Nach einer Vollbremsung und ersten groben Orientierung (wer bin, wo bin ich, was mach ich hier eigentlich und warum zum Teufel steht die ganze Welt auf dem Kopf) muß aber noch beobachtet werden, wie Franz und Ralf vorbeirauschen und kopfwärts in den Sandboden einschlagen. Nachdem sich das Sediment gesetzt hat und die OK-Abfrage erfolgt ist, gibt Ralf das für ihn typische „laß uns noch 10 mtr. tiefer gehen“ Zeichen. Das er es Ernst meint wird deutlich, als er aus seinem Jackett einen Klappspaten hervorholt und zu graben beginnt! Unter Androhung von roher Gewalt läßt Ralf von seinem Vorhaben ab und es kommt noch ein ganz normaler Tauchgang zustande. Nach Rückkehr an Bord stellt sich heraus, das der Sandboden eine minmale Tiefe von 53 mtr. hat. Nun ja, wer lesen kann hat einfach mehr davon... Weitere Tauchgänge am Shaab Trombi und ein Nachttauchgang am Shaab Mangrove vervollständigen das Programm des Tages. Am Abend findet das Captains-Diner statt, das die Taucher wegen der einfach nicht zu bewältigenden Mengen an Leckereien in einen präkomatosen Zustand versetzt. Freitag, 12. Oktober 2001 Gegen Mittag erreicht das Boot dann den Ausgangshafen El Quisier, von wo der Rücktransfer nach Hurghada stattfindet. Am Flughafen Hurghada kommt es dann zu den erwarteten Problemen. Der Kapitän des Flugzeuges weigert sich, das Team aufgrund der „leicht“ erhöhten Alkohol- und Stickstoffwerte im Blut an Bord zu lassen. Nachdem mit Egypt Air eine Sondervereinbarung bezüglich eines Gefahrguttransportes abgeschlossen ist, der Kapitän, der erste Stewart, alle Flubegleiter und -begleiterinnen, das Bodenpersonal und auch die Toilettenfrau ausreichend mit Bakschisch versorgt sind, gelangt das Team endlich an Bord des Jets. Nach knapp 5-stündigem Flug landet der Jumbo in Düsseldorf. Bettina Pörtner und Christoph´s Vater haben den Auftrag, die vier Helden am Airport abzuholen und stehen erwartungsgemäß in einem nur etwa 30 KM langen Stau mit völligem Stillstand auf der BAB 40. Nach nur 3-stündiger Verspätung wird die Gruppe dann endlich von Isabell Pörtner, die die Angelegenheit offensichtlich in Ihre bewährten Hände genommen hat, freudestrahlend in Empfang genommen.
P.S. 2: Wer seriöse Info´s zu dieser Reise haben möchte, kann sich vertrauensvoll an Helga, Ralf, Franz oder an mich wenden. Ob er sie aber auch bekommt, steht auf einem ganz anderen Blatt. |